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Forget ForGen?

Zugegeben, die Überschrift provoziert ein wenig, dazu später mehr.

 

Unter der Abkürzung „ForGen“ verbirgt sich das ‚Institut für forensische Genetik und Rechtsmedizin‘ am Institut für Hämatopathologie GmbH, Hamburg. Wer mehr wissen möchte, klicke nachstehende Webseite an: https://www.forensik-hh.de/forensisch-genetische-analysen-von-tieren/ 

Das Institut für forensische Genetik und Rechtsmedizin wurde von den Humanmedizinern PD Dr. Nicole von Wurmb-Schwark und Dr. Thorsten Schwark begründet; der Biologe Dr. Jan-Hendrik Modrow (forensische Speziesgenetik und Bioinformatik) vervollständigt die Arbeitsgruppe.

Weil man in Jägerkreisen den nationalen Referenzinstituten anscheinend misstraut, obschon z. B. das Forschungsinstitut Senckenberg, Gelnhausen, Sektion Naturschutzgenetik oder die entsprechende Institution an der Universität zu Lausanne/CH wissenschaftlich einwandfreie Resultate liefern, werden Genomproben von Wölfen an ForGen geschickt, wobei das Untersuchungsergebnis meist lautet „Wolf oder Wolf-Hund-Mischling“. Eine solche Aussage ist wertlos, letztlich unwissenschaftlich. Die Untersuchungsergebnisse seriöser Untersuchungslabors unterscheiden sich sehr deutlich von durch ForGen gelieferten Ergebnissen. Um das klar zu machen, soll aus dem Pro Natura Magazin, 4/2018, S. 20/21 zitiert werden: Wie aber sind diese unterschiedlichen Ergebnisse zu erklären? ForGen sucht in der DNA nach Markern, die „typisch Hund“ oder „typisch Wolf“ sind. Weil Wolf und Hund sehr eng miteinander verwandt sind, kommen viele Allele (Ausprägungen) sowohl beim Hund wie beim Wolf vor, wenn auch in unterschiedlicher Häufigkeit. Die Zuordnung ist also eine Frage der statistischen Analyse – und des Referenzmaterials (ForGen hält dieses geheim. „Weil ForGen um die Sprengkraft seiner Resultate weiss, gibt sich das Institut inzwischen sehr vorsichtig“, erklärt Gerke (David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz/GWS).

Auch bei der Untersuchung der DNA von acht norwegischen Wölfen durch ForGen, lassen die Ergebnisse des Privatinstituts aufhorchen: Diese Wölfe haben angeblich keine russischen oder finnischen Wurzeln, sondern ihr Genom enthält Anteile von Lettischen Wölfen, von Wölfen aus französischen Gehegen und auch Hundegene (angeblich Molosser).

Einer der Seniorforscher am Norwegischen Institut für Naturforschung NINA, Oystein Flagstad, weigert sich, die Resultate von ForGen zu kommentieren, bevor er nicht weiß, welches Referenzmaterial und welche Analysemethoden das Hamburger Privatinstitut verwendet

Interessant auch Folgendes: Die Gruppe Wolf SchweizGWS hatte ForGen vier Proben von Wölfen zugesandt, deren DNA bereits vom Universitätslabor der Uni Lausanne bestimmt worden war, mit dem Ergebnis: Italienischer Wolf. Zitat: „ForGen konnte nur eine dieser Proben sequenzieren [die Abfolge der Nukleotide* innerhalb eines Genoms bestimmen] und identifizierte sie als „Wolf oder Wolf-Hund-Mischling“. Auch bei den Untersuchungen der Wolfspopulationen in Frankreich durch ForGen ist nach Gerke (s. o.) in keinem Fall eindeutig ein Mischling nachgewiesen worden. Das Ergebnis war stets ein ‚Wolf oder ein Wolf-Hund-Mischling‘. (Zitat Ende)

Auf der Website von ForGen wird als Beispiel die genetische Komposition einer Kreuzungshündin aus dem Tierheim von Thomas und Valerie [Nachname wird nicht genannt] aus Boostedt aufgeführt. LEYLA soll folgende Genanteile in Prozenten aufweisen:

 

 

Norwegischer Byhund 61%
Zwergpinscher               42%
Kurzhaarcollie                 24%

Wolfsanteil                          3% 

 

                            Sa.           130%                                   

Damit hätte LEYLA einen Überschuss von 30% an „Erbsubstanz“ also Genen=DNA, also ein 130%igesGenom, wäre also ein genetischer Wunderhund. Soweit erinnerlich wurde in einem Video die von ForGen ermittelte genetische Vielfalt eines gemixten Hundes (Herkunft unklar) dargestellt: Neben Vorfahren verschiedener Hunderassen wurden zur Komplettierung des Ganzen auch noch Gene des Goldschakals, Canis aureus L., 1758 aufgeführt. Mehr als unwahrscheinlich, aber seitens des Instituts vielleicht ein Wink, dass der Hund wohl vom Balkan stammen könnte.  

Wenn man bedenkt, dass die FCI (Féderation cynologique internationale, Sitz in B-6530 Thuin, Belgien) insgesamt 367 Hunderassen anerkennt, davon 17 vorläufig, müsste ForGen über genomische Daten von mindesten 350 von der FCI anerkannten Hunderassen verfügen, um bei einem Kreuzungshund (Bastard) valide Aussagen über die beteiligten Rassen machen zu können. Ob ForGen über Referenzmaterial zu all diesen vielen Rassen verfügt? Zweifel sind erlaubt.

Es ist erstaunlich, dass ein nicht geringer Teil der Jägerschaft – nicht nur in Deutschland – geradezu davon besessen ist, dass viele Wölfe gar keine „echten“ Wölfe sind, sondern Wolf-Hund-Mischlinge. Von sog. Experten wie Kaj Granlund, Erik Granqvist, Wernher Gerhards etc. wird versucht, anhand phänologischer und morphologischer Merkmale zu „beweisen“, dass dieser oder jener Wolf eben kein echter Wolf sei, sondern ein Wolf-Hund-Mischling. Gut, einen Wolf mit Schlappohren und/oder Ringelrute gibt es nicht, aber totale Uniformität einer Säugetierart entspricht vielleicht dem Wunschdenken mancher „Experten“, aber nicht biologischer Realität.
Die Extremsten unter den sog. Experten vertreten gar die Meinung, die Wölfe in der Bundesrepublik seien allesamt Wolf-Hund-Mischlinge. Träfe dies wirklich zu, entfiele der Schutzstatus gemäß FFH-Richtlinie und es könnte zu fröhlichem Jagen geblasen werden. Aber noch ist es nicht soweit!
Offenkundige Wolfs-Hund-Mischlinge, wie die Nachkommen der Ohrdrufer Wölfin, sollten definitiv entnommen werden, um einer „Verwässerung“ des Genpools der mitteleuropäischen Flachlandpopulation des Wolfes entgegen zu wirken. Proben von Verdachtstieren sollten in einem akkreditierten, seriösen Labor genetisch untersucht werden; der Untersuchungsbefund sollte eine klare Aussage treffen. Eine Ansage „Wolf oder Wolf-Hund-Mischling“, wie durch ForGen praktiziert, ist letztlich wertlos.

Eines steht fest: Canis lupus L., 1758 wird weiterhin für Pro und Contra sorgen. Dessen ungeachtet kann erwartet werden, dass genetische Untersuchungen an dieser Tierart wissenschaftlich einwandfreie und nachvollziehbare Ergebnisse zeitigen, meinen

 

 

KIANG und Emil im November 2019

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* Nukleotid, Grundbaustein der Nukleinsäure

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Ökogün (Donnerstag, 21 November 2019 13:31)

    "Forget Forgen" in der DNA-Auswertung von Wolfgenen passt!
    Das Forensik-Labor mag großartige Arbeit in der Zuarbeitung zur kriminologischen Fallermittlung liefern, doch ansonsten sollte "der Schuster bei seinen Leisten bleiben".
    Ein Hochhaus lasse ich nicht von einem Landschaftgärtner bauen,
    auch, wenn der viel bessere Naturstein-Trocken-Mauerwerke baut als jeder Maurer. ;-)

  • #2

    järvochlo (Donnerstag, 21 November 2019 15:45)

    sehr gut geschrieben! Tut gut!

  • #3

    Lucky Schmidt (Donnerstag, 21 November 2019 20:07)

    Senckenberg in Gelnhausen hat weder eine Akkreditierung noch eine Zertifizierung für sein Wolf DNA Labor. Ein großer Teil der Drittmittel kommen vom NABU. In meinen Augen können die Tun und lassen was sie wollen, i.d.R. pro Wolf. Nachweislich haben die die Hybriden von Ohrdruf mehrfach als reine Wölfe diagnostiziert.

  • #4

    Annegret Sproesser (Donnerstag, 21 November 2019 22:42)

    So lange Senckenberg seine Datenbasis nicht offenlegt So lange deren Ergebnisse noch von Umweltbehörden "evaluiert" werden, bevor sie veröffentlicht werden. So lange Senckenberg größtenteil vom NABU, einer bekennenden "Koste-es-was-es-wolle-Pro-Wolf-Organisation" finanziert wird. So lange in Lausanne führende Mitglieder der LCIE das Sagen haben So lange 5 kg-Füchse 1,40 m große, 25 kg schwere Nandus meterweise durch's Gehege ziehen und bei anderer Gelegenheit über 10 kg Fleisch fressen oder einen 85 kg-Mann aus dem Zeltziehen können. So lange, glaube ich nur was bei einer Plausibilitätsprüfung einem einigermaßen gebildeten Bürger schlüssig scheint oder ich selbst gesehen habe..

  • #5

    Katja Ley (Samstag, 23 November 2019 14:40)

    „Das Gerede um Hybridwölfe ist eine Seifenblase. Aufgeblasen von Leuten, denen jedes Mittel recht ist, um Gründe für die Beseitigung der Wölfe zu finden“.

    http://woelfeindeutschland.de/die-hybridenhysterie/

  • #6

    Katja Ley (Samstag, 23 November 2019 15:33)

    Hier einmal eine Darstellung eines Biologen zu den Fehldarstellungen von ForGen.

    „ Meine Stellungnahme zur Stellungnahme von ForGen zu den fachlich falschen Aussagen von Frau Wurmb-Schwark als geladene Expertin zum Wolf im Bundestag ;)

    Mich ereilte gestern die Kunde, dass sich Frau Wurmb-Schwark von ForGen sogar die Zeit nimmt, auf der Facebookseite von "Wolf-nein Danke" zu schreiben. Da wundert es nicht mehr ganz so sehr, dass man sich bei ForGen auch die Zeit genommen hat, auf der hauseigenen Homepage eine Stellungnahme zu meiner gestrigen Kritik an ForGen zu verfassen. Gebessert hat sich jedoch wenig, da man das von Frau Wurmb-Schwark Gesagte nicht mehr so genau im Kopf hatte. Ich helfe gerne:

    Frau Wurmb-Schwark hat Folgendes gesagt:

    "...man kann die Hybridisierung über die mitochondriale DNA nicht nachweisen, genausowenig wie etwaige Zuwanderung aus anderen Ländern von männlichen Tieren. Die männlichen Tiere bringen ja diese mitochondriale DNA eben nicht mit und wenn man sich dann ein Rudel anguckt, dann sieht man die männliche Zuwanderung über diese Art (der Untersuchungsmethode) nicht."

    Das ist und bleibt falsch. Einem geeigneten genetischen Labor wird es selbstverständlich gelingen, die Zuwanderung eines Rüden aus einer Population festzustellen, die einen besonderen Haplotypen aufweist (z.B. Spanien oder Italien). Ein Rüde wird seine mitochondriale DNA dankenswerter Weise nicht an der Landesgrenze abgeben sondern sehr wohl und im Gegensatz zur Aussage von Frau Wurmb-Schwark bei seiner Einreise nach Deutschland mitbringen. Entsprechend kann man die Zuwanderung eben auch feststellen, "wenn man sich dann ein Rudel anguckt". Denn der Rüde gehört zum Rudel.

    Es freut mich, der Stellungnahme von ForGen zu entnehmen, dass Frau Wurmb-Schwark sich offenbar nur unglücklich ausgedrückt hat und tatsächlich gemeint hat, dass man die Zuwanderung am mitochondrialen Haplotyp DER WELPEN dieses Rüden nicht mehr erkennen kann. Das ist natürlich richtig. Dann hätte sie das aber auch sagen müssen. Und sie könnte das jetzt einfach eingestehen, anstatt in ausschweifender Polemik dem genauen Zuhörer die Schuld an dem durch ihre falschen Worte verursachten Missverständnis in die Schuhe schieben zu wollen. Mein Eindruck von ForGen wird durch diese Stellungnahme gewiss nicht besser, und ich danke den Verantwortlichen ganz herzlich, dass in Deutschland Senckenberg die Wolfsgenetik in die Hand bekam und niemand sonst.

    Amüsierte Grüße,
    Oliver Weirich“

    Mein Fazit: nach mehreren Berichten von Biologen zu ForGen schließe ich mich der Aussage von O. Weirich an, dass zum Glück Senckenberg zuständig für unsere Wölfe ist